Bezirksamtsleiter Markus Schreiber verkündete am Samstag den Abriss der ESSO-Häuser. Damit begibt sich die SPD zu 100% auf die Linie der Investoren „Bayerische Hausbau“. Die Initiative ESSO-Häuser ist verwundert und empört über dieses Vorgehen. Sie fordert einen Runden Tisch noch vor der Sommerpause!
Julia Priani (Bewohnerin) dazu: „Uns wird ständig versichert nichts ist beschlossen und man wolle mit uns reden. Gleichzeitig machen Bezirksamt und Investoren Nägel mit Köpfen. Das ist undemokratische Hinterzimmerpolitik. Wir fordern die Beteiligung aller an dieser wichtigen Entscheidung. Deswegen beruft die Initiative einen runden Tisch ein, mit Investoren, Politik Fachleuten, BewohnerInnen und Nachbarn.“
Seit Monaten versichert uns die Bayerische Hausbau es handele sich um einen langfristigen Prozess, der Abriss sei nicht beschlossen und die Initiative solle eng mit eingebunden werden. Beim letzten Gespräch wurden wir dann aber vor vollendete Tatsachen gestellt: es gäbe
eigentlich keine Alternative zu einem Abriss. Dass dies mitnichten so ist, haben Fachleute auf unserer Pressekonferenz letzte Woche dargelegt. Erstaunlicherweise hat dies umgehend zu einem Schulterschluss der Politik mit den Investoren geführt. Auffällig ist, dass der Bezirksamtsleiter exakt der Argumentationslinie der Bayern folgt.
Noch vor der Wahl hieß es aus der SPD, es müsse Schluss sein mit der Gentrifizierung auf St. Pauli. Groß wurde die Notwendigkeit einer Sozialen Erhaltensverordnung verkündet und auch schon eingeleitet. Diese Maßnahme beinhaltet den Schutz vorhandener Bebauungs- und
Bewohnerstrukturen. Abriss, Luxusmodernisierung und Eigentumswohnungen sollen damit verhindert werden. Das momentane Vorgehen ist allerdings genau das Gegenteil. Daran ändert auch der zugesagte Bau von einigen Sozialwohnungen nicht viel.
Auch das vermeintliche Rückkehrrecht der MieterInnen wirft einige Fragezeichen auf. Für die alteingesessenen Gewerbemieter bedeutet eine mehrjährige Zwangspause das Aus. So zum
Beispiel für das gemütliche „Autohotel St: Pauli“, das seit 30 Jahren durchgehend von einer Familie geführt wird. Obwohl es um deren Existenz geht, hat sich die Bayerische Hausbau bislang mit keinem Wort an sie gewandt.
Noch einmal: Es geht eben nicht um den Bau von ein paar Prozent mehr Sozialwohnungen auf einem Gelände, das größtenteils von teuren, nicht „St.Pauli-affinen“ Neubauten dominiert würde. Ein Abriss und die geplante, umfangreiche Neubebauung würde die letzte Chance vertun, ein gutes Stück authentischen Kiez zu erhalten. Die ESSO-Häuser sind ein sanierungsfähiges Baudenkmal der Nachkriegsmoderne. Die Politik droht zum Totengräber von Hamburgs berühmtesten Stadtteil zu werden.
Wenn Herrn Grote wirklich etwas am Erhalt des „einzigartigen sozialen Biotops ESSO-Häuser“ gelegen ist, muss er sich gegen Abriss und Eigentumswohnungen aussprechen. Denn er hat Recht, wenn er sagt, „von diesem Grundstück hängt die Zukunft von St. Pauli ab.“ Deswegen müssen sich jetzt und sofort alle an einem Tisch zusammensetzen.
„Wir fordern ein sofortiges Moratorium für die ESSO-Häuser. Es muss Schluss sein mit weiteren informellen Zwiegesprächen zwischen Politik und Investoren, in denen Fakten gutsherrenartig zugunsten von Investoreninteressen geschaffen werden. Stattdessen braucht es einen
Prozess, an dem alle Beteiligten gleichberechtigt und transparent die weitere Entwicklung verhandeln. Die Aufrichtigkeit der Verantwortlichen misst sich daran, ob sie dazu bereit sind,“ so Julia Priani von der Initiative ESSO-Häuser.


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