Offener Brief an die "Planungsgruppe Deckel A7" in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt zur Autobahnverbreiterung im Bereich Eimsbüttel

Offener Brief

An die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
Planungsgruppe Deckel A7

Am Hasenberge 44
22335 Hamburg

An die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
Stadthausbrücke 8
22355 Hamburg

Öffentliche Plandiskussion Planfeststellung Autobahnverbreiterung Bereich Eimsbüttel und Bebauungsplan Stellingen 65

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Nachgang zu der öffentlichen Plandiskussion am 16.11.10 möchten wir als von der Verlagerung auf den Stellinger Deckel eingeplante Bewirtschafter von „Verwertungsflächen“ in Altona unsere Bedenken zu Protokoll geben.

In der Drucksache 19/2471 ist vorgesehen, dass ca. 60 Gärten von Kleingärtnern aus Altona auf den Deckel in Eimsbüttel verlagert werden. 60 Parzellen waren für die Verlagerungsfälle aus den Eimsbüttler „Verwertungsflächen“ vorgesehen.

Nach wie vor sind wir der Meinung, dass die Kleingärten an Ort und Stelle ihre Bedeutung haben und nicht für städtebauliche Maßnahmen vernichtet werden dürfen. Die „Verwertungsflächen“ wurden wahllos aus städtischen Flächen herausgegriffen, ohne ihren sozialen und ökologischen Wert zu ermitteln oder Alternativen zu prüfen. 35 ha Grünflächen sollen in Altona verschwinden, um 10 ha zusätzliche Fläche auf dem mit Hamburger Mitteln verlängerten Deckel zu schaffen.

Bundesweit gibt es eine Reihe von positiven Beispielen für Parkanlagen auf überdachten Straßentrassen. Nirgends sind Kleingärten darauf angelegt. Aus gutem Grund, denn eine kleingärtnerische Nutzung, wie sie das Bundeskleingartengesetz vorsieht, ist auf einer Dachbegrünung nicht möglich. Es wachsen zwar Bäume, wenn man sie gut bewässert und künstlich verankert, aber eine Hängematte kann man daran nicht befestigen. Schaukeln und Spiel“hoch“häuser gibt’s dann nicht, denn tief graben darf man auch nicht.

Alte, eingewachsene Kleingärten mit vielen historischen Obstsorten kann man nicht verlagern. Zu den alten Apfelbäumen gehören nicht nur gewachsene Nachbarschaften, sondern auch eine vielfältige Natur mit zahlreichen Vögeln, die so schnell keinen neuen Lebensraum finden. So gibt es den Gartenrotschwanz, der im Jahr der Umwelthauptstadt zum Vogel des Jahres gekürt wurde. Dazu passt, dass der Gartenrotschwanz auf der Vorwarnliste der bedrohten Tiere der Roten Liste steht, genauso wie der Feldspatz und der Haussperling, die bei uns brüten und wie wir ihr Heim verlieren werden. Wohin sollen die umziehen?

Eine Überdeckelung der Autobahn ist eine gute Sache, darf aber nicht mit der Vernichtung von Grünflächen an anderer Stelle einhergehen. Die Finanzierung der nicht vom Bund bezahlten Deckelabschnitte am Volkspark und in Schnelsen muss auf solide Füße gestellt werden. Schon jetzt droht eine Unterfinanzierung, da bereits 2009 40 Mio. € aus dem Haushalt eingeplant waren, die Kosten des „Kapitaldienstes“ für die Zwischenfinanzierung bis zur Vermarktung der „Verwertungsflächen“, die vielen städtebaulichen Wettbewerbe und Planungen, sowie der neu geschaffene Planungsstab in der BSU nicht mit eingerechnet wurde. Die Kosten für den Eimsbüttler Deckel wurden 2009 in der Drucksache 19/2471 mit 27 Mio. € beziffert, in der Antwort zur Kleinen Anfrage 19/7633 mit 39 Mio. €. Eine aktualisiert Kostenzusammenstellung für die Gesamtmaßnahme wird lieber nicht veröffentlicht.

In diesem Schreiben wollen wir zum Ausdruck bringen, dass Sie nicht davon ausgehen können, dass Kleingärten auf dem Deckel angesiedelt werden können. Bitte verzichten Sie auf die Ausweisung von Kleingärten im Bebauungsplan Stellingen 65 zu Gunsten von Parkanlagen und Spielplätzen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Beate Hufnagel

 

Durchschriften an:
Fraktionen der Bezirksversammlung Eimsbüttel
Fraktionen der Bürgerschaft

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