Unter dem Titel "Städtisches Grün ökonomisch bedeutsam!" hat Ende August eine zweitägige Fachkonferenz im Rahmen der Veranstaltungsreihe "GRÜN – MACHT – GELD" in Hamburg-Wilhelmsburg stattgefunden.
Im Konkurrenzkampf der Städe um gutsituierte Steuerzahler spielen Grünflächen eine starke Rolle. Parks stellen gewissermaßen den Kosten-Nutzen-Kompromiss dar: wild wachsendes, spontanes Grün kostet die Stadt in der Pflege erheblich mehr Vorsorge. Thesen wie "Zukunft Park – Zukunft findet Stadt(-grün)" sollen verschleiern, dass es im Kern um die Verdrängung von Grünflächen geht. So fordern Stadt-Ökonomen "Grün-Installationen", die möglichst grün wirken aber gleichzeitig pflegeleicht sind. Dass diese Parks wenig zu Klimaschutz und Artenvielfalt beitragen und unter ökologischen Gesichtspunkt wenig nachhaltig sind, spielt keine Rolle für die Stadtplaner. Es geht einzig um die Aufwertung von Immobilien.
So kann es auch nicht wundern, dass der geplante Autobahndeckel über der A7 in der Einleitung als besonders gelungenes Beispiel einer "Grün-Installation" benannt wird. Wer einen Eindruck der zynischen Argumentation gewinnen möchte, liest am besten diese fast schon infame Pressemitteilung der IGS:
Städtisches Grün ökonomisch bedeutsam!03.09.10Zweitägige Fachkonferenz GRÜN – MACHT – GELD in Hamburg-Wilhelmsburg.Hamburg, 30. August 2010 – Ob „High Line Park“ in New York, „Avenida de Portugal“ in Madrid oder der „Grünzug auf dem Autobahn-Deckel“ in Hamburg – für die Metropolen der Welt gewinnt das städtische Grün immer mehr auch ökonomisch an Bedeutung. Wie die Balance zwischen urbaner Verdichtung, Schutz von Flächenressourcen und Identifikation der Menschen mit ihrer Stadt gelingen kann, diskutierten bis Freitag (27. August 2010) 150 Stadt- und Landschaftsplaner in Hamburg-Wilhelmsburg, dem Austragungsort der internationalen gartenschau hamburg (igs 2013).
Zukunft Park – Zukunft findet Stadt(-grün)“ , so das Motto der zweitägi-gen Veranstaltung, zu der igs 2013 und die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) der Freien und Hansestadt in Kooperation mit den Fachverbänden DGGL, BDLA und Garten- Landschafts- und Sportplatzbau eingeladen hatten. Die Konferenz ist Teil der Veranstaltungsreihe „GRÜN – MACHT – GELD“ und igs-Geschäfts-führer Heiner Baumgarten verdeutlichte gleich zu Beginn des Expertentreffens: „Städte konkurrieren massiv um Einwohner und das städtische Grün ist dabei einer der wichtigsten Faktoren geworden.“ Immobilienwerte hingen zu 15 Prozent vom vorhandenen Grün und dessen Qualität ab, zitierte Baumgarten eine Forschungsstudie. Die internationale gartenschau hamburg (igs 2013), dessen zentrales Projekt ein moderner Volkspark ist, löse bereits jetzt ersten Zuzug auf die Elbinsel aus. Ziel sei es gleichzeitig, die Lebensqualität und das Image des Stadtteils unter Beteiligung der dort lebenden Menschen unterschiedlicher Kulturen zu verbessern und soziale Ungleichgewichte aufzuheben.
Der Landschaftsarchitekt Professor Udo Weilacher von der Technischen Universität München warnte bei der Veranstaltung in Wilhelmsburg vordem „verführerischen Klischee vom Wohnen im Grünen“. Jeden Tag, so Weilacher, würden in Deutschland 104 Hektar Freiflächen, unter anderem für den Bau von Wohnhäusern verbraucht. Die „Ressource Freifläche“ sei ebenso bedroht wie Wasser oder Klima. Wenngleich 71 Prozent der Be-völkerung von einem Einfamilienhaus am Stadtrand träumten, so Weilacher, heißt das Motto der Zukunft „Stadt als Lösung“. Es gelte die Wohndichte in den Städten hoch zu halten, um Flächen und Energie zu schonen. „Green is cool“ zitierte Weilacher den Stararchitekten Norman Foster, der mit Milano Santa Guilia meint, „die ideale Stadt“ zu schaffen. Zentrale Parks, wie in Mailand oder Manhattan empfiehlt auch Weilacher, statt „grüne Sauce“ über die Stadt zu verteilen. Trotz hoher Grün-Quote in Frankfurt am Main, beklagten sich die Einwohner der Metropole über zu wenig Parks, so Weilacher.
Gleichwohl ist verteiltes Grün in der Stadt der Zukunft offenbar erlaubt: Ob „pocket parks“ im Kopenhagener Nordhavnen-Projekt, arabische Schattenhöfe in der Kunststadt Masdar Eco City bei Abu Dhabi oder „Salons de Pinos“ in Madrid – Beispiele von der Fachkonferenz in Wilhelmsburg.
Wie Bürgerengagement bei der Grünplanung zu nutzen ist, beschrieb bei der Fachkonferenz die Journalistin Christine Mattauch am Beispiel High Line Park in New York. Private Initiative, Sponsoring durch Prominente und schließlich die Unterstützung durch die Stadt habe aus der still gelegten Hochbahn ein grünes Band durch Chelsea werden lassen. Die Touristenattraktion, investiert wurde bisher rund 150 Millionen Dollar, löste inzwischen unternehmerische Folgeinvestitionen in Milliardenhöhe aus. Ökonomischer Erfolg stellte sich auch mit der Umgestaltung der Hohen Bleichen in Hamburg ein. Investor Andreas Barke warb bei der Fachkonferenz für das Modell des „Business Improvement District“ (BID), wie sie Immobilienbesitzer hier für Aufwertung des Geschäftsquartiers praktiziert hätten. Der BID „Hohe Bleichen“ mit seinen nicht unumstrittenen, frisch gepflanzten Lebensbäumen von elf Metern Höhe, sei „einzigartig für Deutschland“ so Planer Friedrich Henning Breimann.
„Offene Planungsverfahren gehören in unsere Zeit“, so der Apell der So-ziologin Margot Deerenberg und der Architektin Marie-Theres Okresek. Ihr Team Agropolis München war Sieger im Wettbewerb ohne Vorgaben, der Open Scale München. Mit Kreativität aus der Bevölkerung und Planungsteams aus verschiedenen Disziplinen wollen die beiden Frauen starre Planungsstrukturen aufbrechen.
Die 10. Fachkonferenz GRÜN – MACHT – GELD ging mit Baustellen-führungen am Donnerstag Abend über das Gartenschaugelände in Wilhelmsburg und Exkursionen am Freitag zu Ende.
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