Projekt Nicos Farm bedroht: Scheitert Wohn(t)raum für behinderte Kinder und ihre Familien an Verwertungsflächen?

Auf den sogenannten Verwertungsflächen des Autobahndeckels befindet sich auch ein Wohnprojekt "Nicos Farm" für Eltern mit behinderten Kindern. Da der Verein das Pech hat, dass "sein" Grundsstück sich auf diesen Flächen befindet, hat sich der "politische Wind" quasi von heute auf morgen in die umgekehrte Richtung gewendet. Standen die Behörden dem Projekt früher sehr wohlwollend gegenüber steht der Verein plötzlich überall vor verschlossenen Türen, seit die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt ("BSU") das Grundstück in ihren Fokus genommen hat zur Finanzierung des erweiterten Autobahndeckels über der A7.

Wir Kleingärtner sitzen gemeinsam mit Nicos Farm im selben Boot des reflexhaften Ausverkaufs öffentlichen Eigentums. In diesem Artikel möchte ich dem Verein Gelegenheit geben, sich hier auf "Schreberspacken" zu präsentieren. Die Erfahrungen, die der Verein mit der Politik gemacht hat sind den unseren recht ähnlich - aber lest selbst:

Hallo,

wir sind Nicos Farm e.V. – ein gemeinnütziger Verein aus Hamburg.

Seit Januar 2008 verfolgen wir ehrgeizig unser Ziel:

Einen Wohn(t)raum für behinderte Kinder und ihre Familien.

Zentraler Punkt ist die Gemeinschaft. Ziel ist es, den Familien das Leben zu erleichtern. Bei uns können die Kinder, auch wenn sie erwachsen sind, in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Wenn sie “reif” genug sind, ziehen sie auf Nicos Farm in eine eigene Wohngruppe.

Nicos Farm soll ein Ort der Freude und der Begegnungen sein. Wir wollen gemeinsam mit Tieren, mit älteren Menschen, mit der Luthergemeinde, mit Künstlern, mit behinderten und nichtbehinderten Menschen lachen, feiern und Freude verbreiten. Wir wollen einen eigenen Bioladen einrichten, Arbeitsplätze für behinderte Menschen schaffen, einen Erlebnisparcours für Alle und viele weitere Sachen, die alle zusammen zu einem echten „Leuchtturmprojekt“ für die Menschen in unserer Stadt werden können.

Zusätzlich sehen wir es als unsere Aufgabe und unsere Pflicht an, Lobbyarbeit für behinderte Menschen zu leisten, denn diese Menschen gehören in die Mitte unserer Gesellschaft und nicht an den Rand. Um das zu dokumentieren haben wir bereits Aktionen wie „inwendig warm“ und den „Laternenlauf für behinderte Kinder“ organisiert. Diese und andere Aktionen werden wir auch im nächsten Jahr machen.

Wir wollen uns für eine nachhaltige Verbesserung im sozialen Miteinander einsetzen, wollen in Schulen und Kindergärten altersgerechte Angebote zum Thema Behinderungen machen, denn Kinder haben eine natürliche Offenheit und Neugierde, von der die Erwachsenen viel lernen können.

Die Stadt Hamburg geht leider mit behinderten Menschen sehr „stiefmütterlich“ um. Kurzfristiger Profit, statt langfristige Ersparnisse, das ist es wofür die aktuelle Regierung steht. Es ist sehr frustrierend, merkwürdig oder auch skandalös, dass sämtliche Parteien unser Konzept toll finden, die Entscheidungsträger aber nicht mal ein Gespräch mit uns wollen oder uns mit „es gibt kein Geprächsbedarf“ abkanzeln.

Frau Hajduk lehnte ein Gespräch mit den Worten ab: „man könne sich nicht um Einzelschicksale kümmern“ und setzte ihre Arbeit an einem Stand für die bessere Haltung von Legehennen fort. Das legt die Vermutung nahe, dass die ca 1.000.000 Familien mit behinderten Kindern weniger Wert sind, als bundesdeutsche Legehennen.

Als Alternativgelände zur Verwirklichung unseres Traumes von Nicos Farm wurde uns das Übungsgelände der Polizei im Volkspark angeboten. Dieses Gelände wird seit vielen Jahrzehnten von wechselnden Ordnungsmächten als Gelände für Schießübungen genutzt. Insider sprechen von einer unbekannten Menge von unbekannten Kampfmitteln im Boden dieses Geländes.

Würden unsere Politiker Ihre Villen dort bauen wollen?

Eine große Hamburger Sozialsponsoringinitiative wollte uns eigentlich unterstützen, hat davon aber wieder Abstand genommen, weil sie sich „ihre guten Kontakte zur Hamburger Politik nicht verderben wollen und können“. Überall wird gemauert und hinter den Kulissen wird das Gelände, für das wir uns ordnungsgemäß beworben haben, wahrscheinlich meistbietend verscherbelt.
Wir wollen mehr soziale Gerechtigkeit, mehr miteinander, statt nur ein Nebeneinander! Eine Weltstadt lebt nur von der Vielfalt der Einwohner und nicht von Prestigeprojekten der Stadtoberen!

Unser Motto: miteinander – füreinander
 

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