Bericht von der Kundgebung "Wir bleiben alle" vom 11.11.2009 vor dem Starbucks Elbphilharmonie-Kulturcafé

Die zwei Meter großen "Komm in die Gänge"-Holzräder waren für Fahrzeuge zu sperrig und mussten aus dem Gängeviertel zum Mönckebergbrunnen gerollt bzw. getragen werden. Die Prozession stellte beinahe schon so etwas wie eine Kundgebung vor der Kundgebung statt und zog so bereits vor der Veranstaltung schon eine Menge Aufmerksamkeit auf sich.

Der Veranstaltungsort - der Mönckebergbrunnen vor dem Starbucks-Elbphilharmonie-Kulturcafé - war bunt mit unterschiedlichsten Transparenten, Rädern, Wimpeln etc geschmückt und brachte die Heterogenität des Netzwerks "Recht auf Stadt" eindrucksvoll in Bildern zum Ausduck. Zu den geplanten zehn Redebeiträgen kamen spontan noch einige weitere hinzu.

Die Kundgebung wurde von Christoph Schäfer mit Blick auf das Motto der Elbphilharmonie eröffnet "Ein Haus für alle". Ein Haus für alle, das wenigen zu gute kommt finanziell aber von allen getragen wird. Zeugnis der offiziellen Hamburger Auslegung des Begriffs "Kultur".

Die Beiträge und Sprecher bzw. Specherinnen zweigten sowohl die Individualtität der unterschiedlichen Initiativen auf als auch die immer gleichen Thmemen in Hamburg: eine Stadt, der der Kontakt zu den in ihr lebenden Menschen abhanden gekommen ist. Eine Stadt die sich gänzglich dem Diktat von Investoren unterworfen hat. Eine Stadt ohne Freiräume.

Kommerzialisierung überall: Eine Stadt mit verordneter Erholung in Form kommerzieller Freizeitgestaltung und Masterplänen allüberall braucht keine öffentlichen Grünflächen mehr. Flächen werden ausschließlich anhand ihrer Renditeerwartung je Quadratmeter bewertet. Ein Sprecher der Initiative "Apfelbaum braucht Wurzelraum" hat eine vorbereitete Erklärung zum Bürgerbegehren in Altona verlesen, die am Ende dieses Beitrags abgedruckt ist.

Gegen diese Vision einer "wachsenden Stadt" erheben sich die Menschen derzeit überall in Hamburg und fordern Ihr "Recht auf Stadt". Eine Stadt für alle Menschen.


Video des Antigentrificationmans
aufgenommen bei einer anderen Veranstaltung von "Recht auf Stadt".

Nach den Redebeiträgen gab es musikalischen Protest von "Antigentrificationman" und "Schwabinggrad Ballett" auf.

Zwischendurch kam die Meldung, dass in der Universität Hamburg das Audimax von Stundenden besetzt wurde.

Es gab jedoch auf eine bedauerliche Meldung: Das Passage-Kino hatte gestern seinen letzten Tag weil es die Mietpreise in der Mönckebergstraße nicht mehr tragen kann. Die Teilnehmer brachten den Betreibern ihre Sympathie und Solidarität zum Ausdruck.

Am Ende verkündete Christiane Ebeling die frohe Botschaft, dass die Stadt Hamburg den Vertrag betr. der Häuser im Gängeviertel mit dem Investor "Hanzevast" rückabwickeln wird. Die Vernetzung zeigt offenbar jetzt schon Ihre Wirkung. Entscheider in Hamburg scheinen zu merken, dass sie über öffentliches Eigentum nicht mehr nach Gutsherrenart verfügen können.

Die Verfasser des Manifests "Not in our Name, Marke Hamburg" haben deutlich gemacht, dass Sie sich nicht zur Aufwertung von Flächen und Stadtteilen instrumentalieren lassen.

Nach dem Ende der Kundgebung bildete sich eine Spontandemonstration zum Passage-Kino über den Jungfernstieg ins Gängeviertel und endete mit Feier und Glühwein.

Pressespiegel

Abdruck der verlesenen Rede von "Apfelbaum braucht Wurzelraum"

Kundgebung "Wir bleiben alle"

Ende letzten Jahres hat sich die Altonaer Bevölkerung in einem Bürgerbegehren mit fast 9.000 Unterschriften zur Rettung der Kleingärten in Altona entschieden.

Der Senat hat das zentrale Anliegen des Bürgerbegehrens auf Betreiben der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt unter Führung der "grünen" Senatorin Anja Hajduk (GAL) ausgehebelt, indem er die Planungen bezüglich der bedrohten Grünflächen entlang der A7 evoziert hat.

Wenn die Pläne des Senats realisiert werden, wird Altona über 35 Hektar stadteigene Grün- und Erholungsflächen – Kleingärten, Parks und Sportanlagen verlieren. Der Senat will diese öffentlichen Flächen verkaufen, um darauf – im Namen der "wachsenden Stadt" – Stadtvillen, Einzel- und Reihenhäusern zu bauen.

Wir stehen heute hier, weil wir das Recht auf eine lebenswerte und bezahlbare Stadt fordern – in der sich die stadtplanerischen Ziele nicht an Investoren, sondern an den Menschen ausrichten, die in dieser Stadt leben.

Öffentliche Grünflächen sind keine Verhandlungsmasse!

Wir fordern die Wertschätzung von Grünflächen

  • für die Menschen,
  • für das Klima
  • und als Wert an sich selbst.

Wir sind gegen weitere Nachverdichtung und Privatisierung öffentlicher Grünflächen - weder in Altona noch sonst irgendwo in Hamburg.

Die Bürgerinitiative „Apfelbaum braucht Wurzelraum“ fühlt sich der Altonaer Bevölkerung und den 9.000 Unterstützern des Bürgerbegehrens weiterhin verpflichtet und wird sich gegen die Vernichtung von Grünflächen auch in Zukunft weiter zur Wehr setzen.

Altona muss grün bleiben trotz CDU und GAL!

 

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Redaktion